Mittwoch, 5. Juli 2017

Brief von Jürgen Linke am 29.06.2017

Textmacher Borgfeld
„Ich schreibe, also bin ich.


An die Literaturfreundinnen                         29.06.2017
und –freunde

Liebe Freundinnen und Freunde,

ein kleiner Rückblick zunächst auf unser Treffen am 09. Juni; inzwischen sind schon wieder fast drei Wochen vergangen. Es war eine kleine Runde: Yuki, Cornelius, Ilse, Inge K., Karin, Gabriele, Wolfgang, Jürgen; außerdem zwei Gäste aus dem Stiftungsdorf: Gerhard Czaniara und Doris Winkler, die bei Textmacher Borgfeld mitmachen will. Wir  begrüßen herzlich unser neues Mitglied.
Eine kleine Runde war es. Aber ich fand die Arbeit sehr produktiv und anregend. Wir haben das gemacht, was intendiert war: ein kritisches und aspektreiches  Gespräch an den vorgetragenen Texten entlang zu führen. Das war interessant und nützlich für die Autoren. Es sind sehr bedenkenswerte Kommentare geäußert worden, hilfreich sicher auch für mögliche spätere Überarbeitungen in Richtung Edition. Ich denke, auf dieser Linie  sollten wir uns weiter bewegen: ernste  Arbeit am Text. Das war auch das, was ich von verschiedenen Seiten als wünschenswertes Vorgehen gehört habe. Ich will sehr gern dieser Linie folgen.

Gelesen haben Wolfgang Marschall und Jürgen Linke. – Wolfgang hat Geschichten zum Schmunzeln vorgetragen, angesiedelt in unserer norddeutschen Heimat und auch direkt in Borgfeld. Die Geschichten zeichnen sich durch eine witzige Pointe aus.

Wir diskutierten nach dem Vortrag die Frage: Worauf beruht die Wirkung eines Witzes?
Antwort: Natürliche Sprachen sind nicht eindeutig und generieren Sätze, die unterschiedliche Interpretationen zulassen. In diesem Sinne ist eine witzige Pointe eine Interpretation, die für den Hörer unerwartet kommt und ihn auf diese Weise  verblüfft und erheitert.

Jürgen hat eine Kurzgeschichte – mit märchenhaften Elementen  - vorgetragen: „Sonate facile“.  Dazu gab es interessante Anmerkungen.
Karin fand, dass der Tod der Protagonistin nicht vorher hatte angekündigt werden sollen; dadurch ging Spannung verloren. Ähnlich hat sich – in meiner Erinnerung – auch Gabriele geäußert. Meine Entgegnung: Das Ziel der Handlung ist die erlösende Leistung der meisterhaften Komposition und das perfekte Spiel, nicht im Sinne eines Krimis der Tod der Protagonistin. Es geht um die Erfüllung einer lebenslangen Sehnsucht, die sich aber nicht in der Realität ereignet, sondern in einer die Realität transzendierenden Märchensituation.  – Conny fand den Schluss nicht gut: „…und sie forschten und forschten. Und wenn sie nicht …“  Dieser Schluss passe nicht zum Ganzen. Ich fand den Schluss witzig, eine Rückwendung zur traditionellen Form des Märchens, die zugleich den Ernst des Textes mit leicht karikierender Attitüde relativieren soll.
Aber: man kann  sich sicher darüber streiten, ob der Schluss gelungen ist. Ich fand alle  Einlassungen sehr bedenkenswert und bedanke mich ausdrücklich dafür.

So weit zum Rückblick – aus meiner Erinnerung.

Das nächste Treffen wurde  festgesetzt auf
Freitag, 04. August, 2017, 15:00 Uhr.
Ich frage bei der Leiterin des Stiftungsdorfes an, ob wir wieder dort tagen dürfen. Ich bin optimistisch, dass das klappen wird, muss allerdings die Antwort abwarten. Ich gebe rechtzeitig den Ort bekannt.

Vortragen werden Karin Koch und Cornelius Melville.
Karin schreibt Epiloge zu Romanen. Sie wird einen Epilog zu dem bekannten Brief-Roman „Adressat unbekannt“ von Kressmann Taylor (1938) vortragen. Es empfiehlt sich, den – erfreulich kurzen  - Roman-Text vorher zu lesen. Karin wird jedoch eine kurze Zusammenfassung geben, bevor sie ihren eigenen Text vorträgt.

Cornelius hat – wie bekannt – auf mehreren tausend Seiten die Übersetzung eines historischen englischen Textes aus dem 18. Jahrhundert niedergelegt. Teile daraus sind bei „Projekt Guttenberg“  im Internet anzuschauen. Conny wird aus der Übersetzung vortragen und – denke ich – über das Abenteuer seiner Übersetzungsarbeit berichten.

Wir dürfen, liebe Literaturfreundsinnen und  –freunde auf das nächste Treffen gespannt sein. Ich freue mich auf die Vorträge und auf eine interessante und anregende Aussprache.
Herzlichst
Jürgen L.



Dienstag, 21. Februar 2017

Brief von J.Linke am 19.02.2017


Textmacher Borgfeld
„Ich schreibe, also bin ich.

 

                                                                                                                                            19.02.2017

An die Literaturfreundinnen
und –freunde

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

leider komme ich erst heute dazu, diesen Brief zu Ende zu schreiben. Es ist ein kurzer Rückblick auf den 03.02.17.  Trotz gebotener Kürze haben wir am 3. Februar schone und anregende Beiträge hören und auch sehen können. Mir hat der Nachmittag sehr gefallen. Ich hoffe, Euch auch! Mein Streben ist immer, eine entspannte und kommunikative und anregende Atmosphäre zu schaffen. Ich denke, das ist gelungen. Vielen Dank an Yuki für die Gastfreundschaft und  schmackhaften Tee! Gleichwohl bin ich für Rückmeldungen von Eurer Seite immer dankbar.

Wichtige Info vorweg: nächstes Treffen:

Freitag, den 31. März 2017, 15:00 Uhr, bei Jürgen Linke,
Rethfeldsfleet 4,   (gegenüber Tischlerei Wellhausen)

(Die Option “Salvia“  habe ich nach einem Gespräch mit Petra Scheller von der Wümme-Zeitung verworfen.)

Wir haben in unserem zweiten Treffen möglichst vielen  Schreibenden Gelegenheit zum Vortrag gegeben. Daraus ergab sich zwangsläufig eine strenge Kürze pro Vortrag. Beim nächsten Treffen wollen wir nur  zwei Hauptvortragende hören, um mehr Zeit für ihre Texte zu haben. Ich denke so an 20 bis 30 Minuten. Dann wird auch Gelegenheit sein, über das Gehörte zu diskutieren. Ich freue mich darauf. Als Vortragende sind benannt

Wolfgang Müller und Joachim Janssen.

Vielleicht ist noch Zeit für ein oder zwei Kurzvorträge. Das wird man sehen.

Rückblick:

Yuki gibt einen interessanten Einblick in die Entstehung der chinesischen bzw. japanischen Schriftzeichen. Sie zeigt an einigen Beispielen, dass im Schriftzeichen häufig noch das zugrunde liegende Bild erkennbar ist. – Cornelius erfreut uns mit einer Reportage über ein – fiktives – Fußballspiel. Der Gag daran:  der Text ist in klassischen Distichen – Verspaare aus Hexameter und Pentameter – gehalten. Reizvoll nicht nur für studierte Altphilologen.  – Gabriele stellt  zwei Bilderbücher vor, die   für die Enkelkinder bestimmt sind; sie trägt  eine kurze Textpassage vor. – Karin verfasst eigene Prologe zu veröffentlichten Romanen. So auch zu dem kurzen Roman „Adressat unbekannt“ (Kressmann-Taylor); sie wird ihren Text bei einem der nächsten Treffen vortragen. – Wolfgang  berichtet über sein Schaffen, Schwerpunkte sind Lyrik und Kurzprosa. Erträgt drei Gedichte vor. – Jakob schreibt Tagebuch. Es vergeht kein Tag ohne Eintrag. – Ilona hat Träume literarisch aufgearbeitet. Sie hat lange eine Schreibwerkstatt betrieben. Jürgen ergänzt, dass er durch den ebenfalls von Ilona initiierten „Lesesalon“ wichtige Anregungen für seine Arbeiten erhalten hat. – Ralph verfasst Reiseberichte in Bild und Text. – Joachim trägt eine Kurzgeschichte vor, die im Fischer-Verlag veröffentlicht wurde. – Jürgen schließt  den Reigen der Vorträge mit zwei Gedichten: mit einem  Wintergedicht in traditioneller Form und einem  politischen Gedicht  auf – oder besser: gegen – den neuen amerikanischen Präsidenten.-
So weit der kurze inhaltliche Rückblick.

Petra Scheller und der Fotograf von der Wümme-Zeitung waren anwesend. Das hat uns gefreut. Ohne Presse läuft gar nichts; wem  sage ich das! Ich habe am Donnerstag, 16.02.17,  mit Petra telefoniert. Der Artikel über unser Treffen soll in der nächsten Woche erscheinen Wir sind gespannt und voller Erwartung.

Yuki und ich basteln an einer Website. Das ist nicht ganz einfach und zudem sehr zeitaufwendig; wir sind ja schließlich keine Profis, denen so eine Arbeit ganz anders von den Händen geht. Gleichwohl schreitet die Arbeit voran. Allerdings muss ich für die nächsten vier Wochen allein zurechtkommen, weil Yuki nach Japan geflogen ist.

Es ist noch nicht sehr viel drauf auf der Website. Der Auftritt ist auch grafisch noch unzureichend (noch keine Bilder u. a.). Es sind auch mit Euch noch einige Fragen zu klären. Ich orientiere mich an der Website vom Literaturkontor. Dieser Auftritt enthält zwei wichtige Elemente: eine Mitglieder-Liste und einen Blog mit vielen Texten. Ich finde das gut. Frage jetzt an Euch: Wollt Ihr eine Liste veröffentlicht haben mit Namen und Mail-Adresse? Wollt Ihr einen Blog haben mit Euren Texten? Selbstverständlich kann man das individuell gestalten. Wer nicht auf die  Namensliste will, wird eben ausgespart. Wer seine Texte nicht auf dem Blog haben will, bleibt auch da unerwähnt. Das ändert nichts an der Teilnahme an der Arbeit von „Textmachern“.  Ich freue mich über jeden Teilnehmer an den Treffen, unabhängig von dessen Präsenz auf der Website. Allerdings bleibt zu bedenken: Was läuft heute überhaupt noch ohne Internet???! Übrigens: Cornelius hat mir bereits grünes Licht für die Veröffentlichung seiner hexametrischen Reportage über das Fußballspiel gegeben. Danke! Ich bitte also um a) Rückmeldung, ob Name und Mail-Adresse auf der Autorenliste veröffentlicht werden dürfen, um b) Rückmeldung, ob ein Blog mit Arbeiten kommen soll. Wir hatten uns bereits im November darauf geeinigt, dass Titel und Quelle des Gelesenen  in einem Bericht festgehalten werden sollen, den man auch veröffentlichen kann; ich halte das für richtig und wünschenswert. Ich wünsche mir einen Blog, auf dem Texte im Wortlaut zu finden sind.  – So weit für heute.

Herzlichst

Jürgen

 

 

Anwesende: Gabriele Etzrodt, Cornelius Melville, Karin Koch, Yuki Klink, Wolfgang Müller, Ilona und Jakob Rudolph, Ralph Klerings,  Joachim Janssen, Jürgen Linke

Samstag, 4. Februar 2017

"Kalles abenteuerliche Reise" Märchen von Gabriele Etzrodt©

Kalles abenteuerliche ReiseGabriele Etzrodt©
Für Mara zur Einschulung am 6. August 2016 von Deiner Omi
 
Als ich aufwache ist mir so heiß! Aber durch das offene Küchenfenster weht ein leichtes frisches Lüftchen und so kühle ich langsam ab.
Irgendwie fühle ich mich gleich kräftiger und kann alles um mich herum besser sehen und hören.
Merkwürdige Töne nehme ich wahr.
Wo kommen die her?
Etwas beugt sich über mich und einen Moment verharren wir Auge in Auge.
Wer bist du?“ frage ich das andere Wesen.
„Ich bin Mia, die Katze.“
„Aha! Und ich bin der Schokopudding Kalle.“
„Ach, diesmal also Kalle, Dein Vorgänger war echt lecker!
Dich würde ich auch gerne probieren, obwohl es hinterher wieder einen Mordsärger gibt.“
Untersteh dich! Ich bin doch kein Katzenfutter!“
„Na, das sehe ich anders!“
Diese Katze! Was die sich denkt! Ich wurde doch für die Kinder gekocht.
Die freuen sich schon auf mich.
Ich muss nur noch richtig abkühlen.
Hey, träumst du?“
Schon wieder die Katze!
Kann die nicht mal Ruhe geben? Nun tippt sie an meine Schüssel.
Die wackelt tüchtig!
Uff!
Nochmal gut gegangen!
Jetzt kommt sie mit ihrer großen Pfote und versucht in mich reinzupatschen.
Ich kann mich gerade noch etwas ducken.
Mann, oh Mann, was soll ich tun? Nun stößt sie mich richtig an!
Hilfe!!! Ich falle!!!“
Die Schüssel zerbricht. Und ich bin frei.
„Ich bin frei! Juchhuh!!!“

Glücklicherweise rolle ich gleich unter den Johannisbeerbusch.
Endlich in Sicherheit!
Über mir hängen dichte grüne Blätter und Stängel mit kleinen roten und grünen Kügelchen.
Hier kann ich erst mal verschnaufen.
Doch was ist das?
Ein Knurren.
Das hört sich nicht gut an!
„Hey, wer bist du und was willst du?“ rufe ich.
„Ich bin Benno, der Hund und wohne hier.
Du störst! Das hier ist mein Lieblingsplatz und ich will jetzt Mittagspause machen.“
Aber ich kann mich nicht so einfach fortbewegen, wie du.“ Er stupst mich ziemlich heftig an, weil er seinen Platz erobern will.
Ich kullere etwas weiter und lande unter einer Rhabarberstaude.
Da habe ich wirklich Glück, hier findet mich die Katze nicht. Die riesigen Rhabarberblätter schützen mich prima.
Hier kann ich erst einmal in Ruhe darüber nachdenken, wie es weitergehen soll.
Doch was ist das?
Es juckt auf meinem Rücken.
Ich drehe und wende mich, was für einen Schokopudding nicht so einfach ist. Ich sehe nichts. Blöd! Ich spreche also mit dem unsichtbaren Störenfried: „Hallo, wer bist du? Weshalb krabbelst du auf meinem Rücken herum und zeigst dich nicht?“
„Ich bin die Schnecke Slimmi.
Eigentlich kennt mich hier jeder,
weil ich so langsam voran komme.
Und wer bist du? Und weshalb sind wir uns noch nie begegnet?“
„Ich bin Kalle, der Schokopudding.
Du kannst mich auch noch nicht kennen, denn ich bin erst wenige Stunden alt und lebe auch nicht mehr, als einen Tag.
Aber kannst du mal von mir runterkommen?
Das kitzelt so und meine Arme sind nicht lang genug, um mich am Rücken zu kratzen.“
Slimmi rutscht langsam von mir herunter.
Sie sieht nett aus!
Vielleicht werden wir Freunde!
Gerade freue ich mich über den Gedanken und will Slimmi fragen, ob wir Freunde werden wollen, da taucht das nächste Problem auf.
Ein wirkliches Problem!
Die Katze Mia schleicht sich an.
Gibt sie denn nie auf?
Ihre grünen Augen funkeln mich unter dem Blätterdach an. „So, jetzt bist du dran!“ faucht sie.
Zuerst bekomme ich Angst. Aber dann merke ich, dass ich richtig wütend werde! Was die sich denkt!
Ich zittere vor Wut.
Und als sie ihre Pfote nach mir ausstreckt, zittere ich so stark, dass ein Stück von mir abreißt und ihr aufs Auge klatscht.
Das ist ein Schreck für sie! Damit hat sie wohl nicht gerechnet. Durch den Ruck fliege ich ein ganzes Stück weiter, mitten in einen Rosenbusch. „Aua!“ Wie das kratzt und pieckst! Aber immer noch besser, als die Krallen der Katze zu spüren.
Und wieder habe ich eine Verschnaufpause!
Ich sehe mich in Ruhe um.
Schön ist es hier!
Der Rosenbusch hat viele duftende rote Blüten und rundherum wachsen andere bunte Blumen.
Bienen sammeln Nektar, Schmetterlinge flattern herum und Käfer und Ameisen laufen geschäftig über den Boden.
Sie alle interessieren sich glücklicherweise gar nicht für mich.
Da hüpft etwas Schwarzes auf mich zu.
Es pickt mit seinem gelben Schnabel etwas vom Boden auf.
Oh, jetzt hat es einen dicken Wurm erwischt.
„Hallo, wer bist du? Dich kenne ich noch nicht.“
„Naja, ich bin auch noch nicht lange hier.
Ich bin Kalle, der Schokopudding.
Und wie heißt du?“
„Ich bin Anton, die Amsel.
Ich wohne in der Hecke da hinten.
Ich muss diesen fetten Wurm meinen Kindern bringen. Aber, was ist ein Schokopudding? Ich bin noch nie einem begegnet.“
Ja, das ist schwer zu erklären.
Es ist etwas, das die Menschen gerne essen, besonders die Kinder lieben mich, weil ich so schön süß bin. Dummerweise will auch die Katze Mia an mir knabbern und lauert mir deshalb überall auf.“

„Oh, ja, vor der musst du dich hüten!
Ich hätte neulich beinahe Bekanntschaft mit ihren Krallen und Zähnen gemacht, als ich einen besonders langen Regenwurm aus dem Boden zog.
Ich war so begeistert, dass ich nicht auf meine Umgebung achtete.
Im letzten Moment konnte ich fortfliegen und mein Leben retten!
Den halben Regenwurm musste ich leider liegen lassen.
Ich hätte ihn gerne mit meiner Frau geteilt.“
Ich fühle mich hier unter dem Rosenbusch ziemlich sicher.
Aber ich möchte gerne noch etwas von der Welt sehen.
Alleine schaffe ich das nicht.
Kannst du mir denn einen kräftigen Stups geben?“
„Warte mal, ich hole ein paar Freunde und zusammen schaffen wir das dann schon.“
Damit fliegt Anton fort. Kurze Zeit später erscheint er mit fünf Amseln, die alle sehr kräftig aussehen.
Sie stellen sich eng zusammen, zählen bis Drei und schubsen mich gleichzeitig an.
Ich bekomme einen solchen Schwung, dass ich aus dem Rosenbusch fliege, über den Rasen kullere und immer schneller werde!
Es geht bergab!!!

Uijuijui!!! Ich rolle auf den Teich zu!
„Hilfe!!!“
Und lande auf einem großen Seerosenblatt. Gerade noch einmal gut gegangen. So, jetzt aber nicht bewegen!
Schwimmen kann ich nämlich gar nicht.
Plötzlich ein lautes Geräusch neben mir, das ich noch gar nicht kenne.
Ein grünes Gesicht mit Glubschaugen taucht neben mir auf.
Es sieht freundlich aus.
„Hallo, ich bin Freddy, der Frosch.
Willkommen in unserem Teich! Darf ich raten, wer du bist?
Du bist Kalle, der Schokopudding. Stimmt`s?“ „Woher weißt du das?“
„Ach, Mia, die Katze schleicht hier dauernd herum.
Sie ist ziemlich sauer auf dich.
Das weiß inzwischen jeder im Garten.“
Und Frösche haben keinen Appetit auf Schokopudding?“ „Igitt! Nein! Nur auf fette Fliegen, Libellenlarven und solche leckeren Dinge.“ „Und wie komme ich als Nichtschwimmer hier wieder raus?“ „Ooch, bleib doch noch ein bisschen! Bei uns ist immer was los.
Gegen Abend kannst du ein tolles Froschkonzert erleben.
Der beste Chor der Gegend!
Das willst du dir doch nicht entgehen lassen?“
Kann ich das auch vom Ufer aus hören?“
„An sich schon. Aber so mitten drin ist es ein besonderes Erlebnis!“ „Ach, weißt du, an Land fühle ich mich irgendwie sicherer.
Dort kann ich auch gefahrlos applaudieren.
Denn wenn ich ins Wasser rutsche, ist es aus und vorbei mit mir!“
„Überredet! Ich ziehe dich auf dem Seerosenblatt an Land.
Aber du musst auch tüchtig klatschen!“
„Na klar!“
Übrigens passiert da gerade etwas Besonderes.
Habe ich jedenfalls gehört!“
„Was denn?“
„Also, der Igel Ipsi hat den Hasen Nick zu einem Wettlauf aufgefordert.
Ist das nicht verrückt?!
Da steht der Sieger doch schon vorher fest!“
Und ihr glaubt nicht, was dann geschieht.
Der Igel gewinnt! Ob da wohl alles mit rechten Dingen zuging?

Ich wundere mich noch, da nehme ich eine gaaanz leichte Bewegung der Grashalme wahr. Vorsicht, sagt alles in mir! Und das ist gut so. Zwei bekrallte Pfoten springen auf mich zu.
Ich ducke mich gerade noch. Spüre schon fast den Schmerz.
Und………
..erwache!!!
Ich habe das alles nur geträumt! Bin ich froh!
Nun kann das geschehen, wofür ein richtig guter Schokopudding hergestellt wird. Und ich bin ein richtig guter Schokopudding, das könnt ihr mir glauben! Ich lasse euch gerne probieren. Aber nun wird das vor allem die nette Familie tun, bei der ich wohne. Ich hoffe mit Sahne! Ich finde, das habe ich nach all den Abenteuern echt verdient! Auch wenn sie nur geträumt sind.
Gabriele Etzrodt©


Sonntag, 29. Januar 2017

「かまきり」 Kamakiri / Gottesanbieterin

Kamakiri 「かまきり」

Beim morgendlichen Spaziergang mit meinem Hund spüre ich sanft auf meiner Haut den angenehmen Wind, der durch die Bäume weht. Es ist schon richtig Frühling geworden.
Nicht weit von zu Hause kommen wir an einem Gateball Platz vorbei. An einer Ecke wuchert ein blühender Spierstrauch. Seine langen Zweige sind übersät mit niedlichen kleinen, schneeweißen Blüten. Als ich auf diesen dünnen Zweigen an einigen Stellen die Eier der Gottesanbeterin entdecke, halten meine Augen inne. Die Erinnerung von vor über 20 Jahren war wieder aufgetaucht.

Alle in meiner Familie mögen Tiere sehr gerne. Besonders meine zweite Tochter Satsuki hatte sehr viel Interesse an Insekten und Pflanzen. Als sie in der Grundschule war, kam sie selten direkt von der Schule nach Hause. Stattdessen bummelte sie oft mit dem Ranzen auf dem Rücken, lief Schmetterlingen nach und pflückte Blumen. Es war eine Zeit, in der an so etwas wie Entführungen gar nicht zu denken war. Von Zeit zu Zeit kam es vor, dass sie mit vielen nobiru in den Händen unser Haus betrat und fröhlich sagte: „Hier sind noch ein paar Zutaten, nê!“. Dann hatten wir zum Abendessen zusätzlich noch frischen in Essig eingelegten Lauch.
Eines Tages, Satsuki war gerade in der dritten Klasse der Grundschule, kam sie mit einen verwelkten Zweig in der Hand nach Hause. „Warum hast du denn diesen komischen Zweig mitgebracht?“ fragte ich mit einem kleinen tadelnden Blick.

Schau her! Eine Gottesanbeterin hat hier ihre Eier abgelegt“, sagte sie und hielt mir stolz den Zweig hin.
Aha, so sehen also die Eier einer Gottesanbeterin aus?“, sagte ich, denn ich hatte sie noch nie zuvor gesehen.
Was hast du damit vor?“ fragte ich, aber sie hatte den Zweig einfach nur so mitgebracht und wollte nichts besonderes damit machen. Es schien ihr völlig zu genügen, dass daran ein Eierbeutel einer Gottesanbeterin hing. Dann stellte sie den Zweig hinter eine Bücherstütze auf ihrem Schreibtisch und war damit zufrieden. An diesem Tag dachte ich überhaupt nicht daran, dass aus den Eiern etwas schlüpfen könnte.

Als der Frühsommer vor der Tür stand, war ich mit dem Saubermachen des Hauses beschäftigt. Als ich vor Satsukis Schreibtisch stand, erstarrte ich plötzlich vor Schreck. Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter und für einen Moment war mein Kopf völlig leer. Aus den Eiern waren unzählige Larven geschlüpft, die nun überall auf dem Schreibtisch herumkrochen. Ich bekam eine Gänsehaut und fragte mich voller Panik „Was soll ich bloß tun?“. Mit der Hand versuchte ich, eine nach, der anderen zu entfernen, aber es waren viel zu viele und mein Ekel wurde immer größer. Dass aus dem dürren Eierbeutel eine so große Anzahl Larven schlüpfen würde, traf mich völlig unerwartet. Trotzdem fasste ich wieder Mut, steckte einige Larven in einen Insektenkorb und wusste mir dann nicht anders zu helfen, als ein Insektenspray herauszuholen und die restlichen Larven einzusprühen.

Als meine Kinder von der Schule nach Hause kamen, erzählte ich wie furchtbar viele Larven es gewesen waren. Aber ich glaube nicht, dass sie sich es überhaupt vorstellen konnten.

Etwa zwei Wochen danach hatte ich langsam diese Geschichte vergessen. An irgendeinem Tag fiel zufällig mein Blick nach draußen auf eine Azalee in meinem Garten, wo die warme Frühsommer-Sonne schien. Dort hing irgendetwas Gelbes...Ich stürmte hinaus in den Garten, um es näher zu betrachten. Es war die Geburt von Gottesanbeterinnen. Aus dem knochentrockenen Kokon hing ein Klumpen gelber Larven heraus und langsam veränderte sich die Farbe der dürren Körper in gelbgrün. Mit unsicheren Bewegungen krabbelten sie den Zweig hinauf. Fasziniert starrte ich auf dieses Naturschauspiel und war begeistert vom mystischen Drama der Geburt. Ich setzte mich vor die Azalee, um mitzuerleben, wie alle Larven nach und nach sich in alle Richtungen zerstreuten. Auf einmal bereute ich es , dass ich damals die Larven, die auf Satsukis Schreibtisch herumkrochen, mit Insektenspray getötet hatte und mir traten die Tränen in die Augen.

Es heißt, dass die Eier der Gottesanbeterin eigentlich ganze Eierbeutel sind, aus denen ungefähr zweihundert Larven schlüpfen können. Diese Larven sind kurz nach ihrer Geburt etwa sechs Millimeter lang und hängen an einem langen klebrigen Faden. Während sie langsam zu Boden schweben, häuten sie sich das erste Mal und beginnen auf dem nächsten Zweig ihre ersten Schritte im Leben. Während sie sich dann sechs- bis siebenmal häuten werden sie langsam zu erwachsenen Insekten. Aber das Gesetz der Natur ist grausam und so wird die Hälfte aller geborenen Larven auf dem Weg zum ausgewachsenen Tier von Ameisen oder kleinen Schlangen gefressen. Bei der letzten Häutung, die ungefähr zwanzig Stunden dauert, bekommen sie dann schließlich Flügel. Gottesanbeterinnen ernähren sich hauptsächlich von Blattläusen. Kurz bevor sie ihr kurzes Leben beenden sucht sich das Männchen eine Partnerin, die es begattet. Aber wenn es hierbei versagt, wird es sofort vom Weibchen durch einen Biss getötet. Dies ist sozusagen eine Paarung unter Einsatz des eigenen Lebens. Daraufhin macht sich das Weibchen an die große Arbeit des Eierlegens. An einen Zweig schmiert sie eine zähe, weiße Flüssigkeit und rührt sie sorgfältig zu einem Schaum. Hierauf legt sie dann ihre Eier. Diese Arbeit dauert ungefähr dreißig Stunden. Sobald sie alle Eier wohlbehalten gelegt hat, ist auch das fünfmonatige Leben des Weibchens beendet. 

Das Naturschauspiel dieser Lebensaufgabe drang tief in mein Herz und in mir entstand der Wunsch nach einer Natur, in der diese Insekten für immer einen Platz zum Leben haben.


関川 壽枝 Sekikawa Hisae

"Anokoro / In jener Zeit" Hisae Sekikawa

あのころ


こごえた指を お湯で あたためながら

洗濯物を干していた

あのころ


エアコンも冷蔵庫も車も

なかった あのころ


なぜか あのころの方がいいなァーと思う


けれど また あのころに もどったら

やっぱり 今の方が

いいと 思うだろうなァ

関川 寿枝
Sekikawa Hisae

In jener Zeit




Die frierenden Finger im heißen Wasser zwischendurch erwärmend,
hängte ich die Wäsche zum Trocknen auf,
in jener Zeit

weder Klimaanlagen, weder Kühlschränke, noch Autos
gab es in jener Zeit

Ach, irgendwie war es in jener Zeit schöner, denke ich

aber könnte ich in jene Zeit zurückkehren,
würde ich wohl denken,
viel besser wäre doch das Jetzt.
Sekikawa Hisae


あのころ Jener Zeit.., damals

こごえた(凍えた)frieren, hat gefroren

Finger お湯 heißes, warmes Wasser

あたためる (er)wärmen

・・・しながらwährend man etwas macht

洗濯物をほすWäsche aufhängen...?

エアコン air condition 冷蔵庫 Kühlschrank 車 Auto

なぜか irgendwie

けれど aber

もどる(戻る)zurück....??

やっぱり doch



Donnerstag, 26. Januar 2017

Brief am 25.01. 2017 von Jürgen

Textmacher Borgfeld
„Ich schreibe, also bin ich.

                                            25.01.2017
An die Literaturfreundinnen
und –freunde

Liebe Freundinnen und Freunde,
das Jahr ist noch jung genug, um Euch allen ein erfolgreiches, schönes und gesundes solches wünschen zu  dürfen. Mein Wunsch kommt von Herzen. Ich freue mich, Euch alle bald zu sehen.
Ich darf daran erinnern, dass wir uns in der kommenden Woche treffen sollen. So war die Vereinbarung vom 30. November des vergangenen Jahres, als wir bei Elke Viohl zusammengesessen hatten. Wir treffen uns schon am Nachmittag, 
bei Yuki Klink:
Freitag, den 03. Februar 2017, 15:00 Uhr,
bei Yuki Klink, Suhrsweg 1 in Borgfeld
(gegenüber der Eisdiele)


Die Presse wird wohl auch vertreten sein. Undine Zeidler von der Wümme-Zeitung hatte im November ihr Interesse bekundet. Ich habe auch Eberhard Matzke vom Oberneuland-Magazin angesprochen. Ich werde auf jeden Fall beiden eine Einladung schicken, in der Hoffnung, dass sie kommen werden.

Wie könnte das Treffen ablaufen?
Bei uns ist alles zwanglos. Das ist unser oberstes Prinzip. Gleichwohl mache  ich Euch folgenden Vorschlag zum Ablauf:
Ganz kurze Vorstellungsrunde (nur mit den Personen, die neu dabei sind)
Hauptpunkt:  Lesung aus den Arbeiten
Im Anschluss daran noch Diskussion zur weiteren Entwicklung
Beim letzten Mal hatten wir es leider nicht mehr geschafft, Beispiele aus dem Schaffen der Anwesenden vorzustellen. Deswegen sollten wir diesen Punkt bei dem kommenden Treffen in den Vordergrund stellen. Ich denke, dass das auch im Interesse der  Presseleute liegt. 
Ich gehe davon aus, dass der zeitliche Rahmen für die Lesung bei 60 – 70 Minuten liegen sollte. Seht Ihr das auch so?

Ich würde gern einen Überblick haben, wer kommen wird und vortragen will. Wieviel Zeit wird sie/er voraussichtlich brauchen? Wenn beispielsweise 10 Personen vortragen, steht nicht mehr Zeit als ca. 5 – 6 Minuten  pro Vortragenden zur Verfügung. Zwischen den Vorträgen muss auch noch etwas Luft sein. Wir können die Texte ja nicht hintereinander runterrasseln. Davon hat niemand etwas.
Ja, liebe Freundinnen und Freunde, mehr fällt mir im Augenblick nicht ein. Ich bin dankbar für alle Hinweise, die uns helfen, ein gutes Treffen zu haben. Ich freue mich auf Rückmeldungen.
Eines noch: Yuki und ich basteln an einer Website. Davon mehr bei unserem Treffen.

Herzlichst Euer
Jürgen Linke



Dienstag, 6. Dezember 2016

Das erste Treffen

An die Literaturfreundinnen
und –freunde                                                                               


                                        06.12.2016
Liebe Freundinnen und Freunde,
ich komme erst jetzt dazu, unser Treffen vom vergangenen Mittwoch, 30.11.2016,  Revue passieren zu lassen. Ich darf sagen, ich habe mich sehr wohl gefühlt. Ich denke und hoffe, dass das bei Euch auch der Fall gewesen ist. So war jedenfalls mein Eindruck. Ich möchte allen noch einmal für die Diskussionsbeiträge danken. Ich fand alle Einlassungen wichtig und bedenkenswert und werte sie als Ausdruck der Bereitschaft, einen Start mit „Textmacher Borgfeld“ zu wagen. Hoffen wir, dass wir eine nicht kurze Zukunft vor uns haben! Ich bedaure, dass Einige aus wichtigem Anlass nicht dabei sein konnten. Ich freue mich darauf, auch sie bei unserem nächsten Treffen begrüßen zu dürfen, das wir festgelegt haben auf
Freitag, den 03. Februar 2017, 15:00 Uhr,
 bei Yuki Klink, Suhrsweg 1 in Borgfeld.
Wäre schön, wenn wir uns bei diesem Treffen wieder in angemessener Anzahl versammeln könnten.  Vielleicht schafft es auch der Dieter aus dem fernen Spreewald dabei zu sein. Sollte mich freuen. Dank an Dich, liebe Yuki, dass wir im Februar bei Dir sein dürfen.
Kurze Zusammenfassung des Ergebnisses der Diskussion:
⦁    Treffen sollen in der Regel alle zwei Monate stattfinden.

⦁    Beim nächsten Mal gibt es noch keine thematische Bindung. Jeder wählt etwas aus, um einen Eindruck von seiner Arbeit zu vermitteln.
⦁    Für zukünftige Treffen hingegen ist die Vorgabe eines thematischen Rahmens nicht ausgeschlossen.
⦁    Die Vorstellungsrunde hat ein breites Spektrum an Arbeitsschwerpunkten ergeben: Satire/Glosse, Übersetzung, Roman, Kinderbuch/Bilderbuch, Kurzgeschichte, Lyrik.  Dies wird als Chance und gute Voraussetzung für kreatives Wirken des Arbeitskreises gesehen.
⦁    Dokumentation: die in einer Sitzung vorgetragenen Texte sollen nicht im Wortlaut dokumentiert werden, wohl aber in Form einer Titelangabe bzw. eines hinweisenden Stichwortes, mit Hilfe derer ggf. der Text eingesehen werden kann.
⦁    Diskutiert wurde auch die Erstellung eines Internetauftrittes. Dieses Vorhaben bedarf noch sehr weiterer Klärung.
⦁    Mittel- und langfristige Ziele: öffentliche Lesung, Buchveröffentlichung.

Anwesend: Dietrich Schrant, Inge Kohlmeyer, Cornelius Melville, Joachim Janssen, Yuki Klink, Gabriele Etzrodt, Ilona Rudolph, Jakob Rudolph, Jürgen Linke
(In dieser Reihenfolge saßen wir, von mir aus links beginnend, um den Tisch.)

Ich wünsche Euch allen ein friedvolles, geruhsames, besinnliches Weihnachtsfest und einen Sprung ins Neue Jahr voller Optimismus, Schaffenskraft und Lebensfreude. Gute Gesundheit und Frieden für die Welt!
Herzlichst
Jürgen Linke

Brief von Jürgen Linke am 29.06.2017

Textmacher Borgfeld „Ich schreibe, also bin ich. An die Literaturfreundinnen                         29.06.2017 und –freunde Liebe Freundinn...